Gemeinsamkeiten von “Suchhilfen” und Access-Blocking

heise beschreibt auch für Leien gut verständlich, wie unter anderem T-Online und Kabel Deutschland das Domain Name System manipulieren, um ein wenig Traffic auf ihre “Suchhilfen” zu führen: DNS-Verbiegungen –  Wie Provider das Domain Name System manipulieren.

Das Schöne daran: Technisch gesehen funktioniert das Access-Blocking, das vom Bundeskriminalamt gerade wieder im Kampf gegen Kinderpornographie gefordert wird, fast genau so wie die DNS-Verbiegungen. Wobei zu erwähnen wäre, dass Access-Blocking auf DNS-Ebene die Mindestanforderung ist; andere Techniken wie die sogenannten Hybrid-Sperren funktionieren auf einer anderen Ebene. Beim Zugangserschwerungsgesetzt haben aber meines Wissens alle Zugangsanbieter ihre Sperren auf DNS-Ebene errichtet.

Einziger Unterschied zwischen DNS-Verbiegungen und Access-Blocking: während die DNS-Verbiegung die falschen Antworten nur dann liefert, wenn die korrekte Antwort “NXDomain” (Domain existiert nicht) gelautet hätte, wird die falsche Antwort im Fall des Access-Blocking bei allen gelisteten (tatsächlich existierenden) Domains geliefert.

Die Kritik des heise-Artikels greift fast bedingungslos auch im Fall des Access-Blocking. Was im Übrigen auch für die Umgehungsmöglichkeiten gilt. Aber solange nur ein harter Kern schwer (Pädo-) Krimineller versteht, was heise da schreibt, ist ja alles in Ordnung…

Nazi-Spam

Ich kriege auf verschiedenen Accounts einiges an Spam. War früher mal mehr, aber gute Filter und ein paar andere Einstellungen haben das im Lauf der Zeit auf ein erträgliches Maß zurechtgerückt.

Neben den üblichen Schwanzverlängerungs- und Potenzsteigerungsangeboten gibt es seit einigen Wochen immer mehr Warnungen vor Festivals und Aufmärschen der rechtsextremen Szene. Ist ja auch gut, da auf dem Laufenden zu sein, obwohl ich mich bei den angeblichen Antifa-Absendern genauso wenig angemeldet habe wie bei den beschriebenen anderen Angeboten.

Aber was ich von dieser Mail halten soll, weiß ich ja echt nicht… (Unkenntlichmachungen von mir):

Heil Kameraden!

Ich bin Mitte letzten Jahres endlich aus dem Knast entlassen worden und
endlich wieder zurück im Kampf um unser Vaterland.

Wenn ihr Bock auf ne Runde saufen habt, meldet euch einfach bei mir.

Meine Telefonnummer lautet: xxxxx-xxxxxxxx

Freu mich über euren Anruf.

Mit kameradschaftlichem Gruße

xxxxxxxx

‘Ne Runde mit meinem guten alten Kumpel saufen ist ja immer cool. Auch wenn ich seinen Namen noch nie gehört habe. Und mit ‘ner Nazi Socke will ich eigentlich auch nicht um unser Vaterland kämpfen. Aber da sein Mail-Server sich als aol.de ausgibt und eine IP-Adresse aus einem südkoreanischen Adresskreis hat, ist das wohl doch nur eine etwas schräge Masche. Oder vielleicht gehört die Mobilfunknummer, die in der Mail genannt ist, irgendeiner armen Sau, die sich jetzt von verärgerten Bürgern regelmäßig Beschimpfungen anhören darf.

Links (3)

Nebenbei: die 102. Leitlinie für die digitalte Welt wäre, Schrift nicht in Grafiken zu verpacken. Und dann auch noch so ein Font…

Strafbare Volksverdummung

Wenn Volksverdummung in Deutschland strafbäre wäre, dann müsste BKA-Präsident Ziercke erster Anwärter auf ein entsprechendes Ermittlungsverfahren sein, dicht gefolgt von Wolfgang Bosbach (CDU).

So beginnt der Beitrag “BKA fordert erneut Access-Sperren” bei Internet-Law. Sehr lesenswert.

Der verlorene Buchstabe

Irgendwas muss an mir vorbeigegangen sein. Sicher, die Schulzeit ist schon ein paar Jahre her, und zwischendurch gab es auch noch eine Rechtschreibreform, die im Anschluss selbst reformiert wurde. Da kann man schon mal durcheinander kommen – oder auch durcheinanderkommen.

Aber ein paar Sachen sind ja auch wirklich einfacher geworden. Bei den Buchstaben s, ss und ß zum Beispiel hat sich doch wirklich vieles verbessert, die Regeln sind heute aus einem Guß Guss. Ein paar Beispiele gefällig?

  • Fuß
  • bloß
  • Stoß
  • Stoßen
  • groß
  • größer
  • Fluss
  • muss
  • müssen

Wir stellen fest: auf einen langen Vokal folgt in diesen Beispielen ein ß. Auf einen kurzen Vokal folgt das doppelte s. Ganz einfach, richtig?

Würde dann mal bitte jemand den ganzen Deppen (*) (**) da draußen erklären, dass man “groß” mit einem verfickten “ß” schreibt und nicht mit “ss”?

(*):

(**) Edit: Leute, die inhaltlich korrekte Sachen schreiben und dabei formale Fehler einbauen als Deppen zu bezeichnen, ist unhöflich. Sorry @netzpolitik.org.

30.000 Euro für eine CD

Wir meckern ja alle über die steigenden oder jedenfalls nicht fallenden Preise für Musik. Wer nun bei MediaMarkt & Co. zur Selbstbedienung übergeht und beim Diebstahl erwischt wird, muss mit einer Anzeige rechnen und kriegt sicherlich Hausverbot. Kein ganz kostengünstiges Vergnügen, aber Tat und Strafe passen irgendwie schon zusammen.

Wer a) in den USA lebt und b) beim Filesharing von 30 Musikstücken erwischt wird und das dann auch noch zugibt, kann am Ende eines langen Strafverfahrens nun aufatmen: Die Strafe wurde von 675.000$ auf nur noch 67.500$ reduziert. Macht etwa 30.000$ für eine CD.

Würde das Mindeststrafmaß von 750$ pro Stück angesetzt, kämen immer noch 22.500$ zusammen.  Ich weiß ja nicht, wie’s euch geht, aber ich finde jede dieser Summen geradezu aberwitzig. Manchmal muss man halt echt sagen: Die Spinnen, die Amis.

Krankes Internet

netzpolitik.org empfiehlt einen Beitrag vom Deutschland-Funk über das Thema Kinderpornographie im Internet. Grundsätzlich schließe ich mich der Empfehlung an, der Beitrag beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten und geht ausgewogen und vorurteilsfrei an diese sehr komplexe Thematik heran.

Aber manchmal frage ich mich schon, wie unreflektiert bestimmte Behauptungen in den redaktionellen Teil solcher Beiträge übernommen werden.

Im Aufmacher des Beitrags heißt es:

Jeden Tag werden 200 neue Kinderpornografie-Bilder ins Internet gestellt. Mehr als 15 Millionen Abbildungen kursieren bereits im Netz.

Das lässt natürlich nur zwei Schlüsse zu:

  • A) Irgendwann in der Vergangenheit wurden große Mengen entsprechender Darstellungen ins Netz gekippt, danach ist dann die Upload-Rate ganz massiv auf nur 200 pro Tag eingebrochen

ODER

  • B) Der Upload entsprechender Darstellungen läuft seit etwas über 41000 Jahren

Technowasdochgleich?

Ein sehr interessanter Abend vor der Glotze. Zwischen Fußball-WM, Energiesparhaus- und Flugzeugabsturz-Dokus und was halt sonst noch so läuft, fand ich diesen wunderbaren Gegensatz.

Technophob

Auf N24 erlaubte sich Strunz, Verbraucherschutzministerin Eigner (die in meinem Ansehen trotz des Moderators und trotz ihrer Löschen-und-Sperren-Haltung deutlich gewonnen hat) ein ums andere Mal ins Wort zu fallen und empörte sich, dass man beim googlen nach “porno” auch wirklich Pornos findet. Und überhaupt, dass Street-View uns rund um die Uhr überwacht und auf Schritt und Tritt verfolgt, das ginge doch mal gar nicht.

Technophil

In der nächtlichen Wiederholung von 3sat neues (Sendung vom 20.06.2010) sprach man zwischen zwei Beiträgen mit Peter Kruse, der im leicht gehobenen Alter von 55 Jahren sicherlich über den Verdacht der unreflektierten Neophilie erhaben ist, über die Möglichkeiten, die uns das Netz bringt, wobei Kruse einen “Transfer der Kultur ins Netz” erwähnte – gerade angesichts der sozialen Netzwerke ist das meiner Meinung nach eine sehr gut komprimierte Beobachtung der Realität.

Folgenabschätzung

Ich bin alles andere als ein Fan der GEZ, aber allein diese kleine Gegenüberstellung war mir schon wieder das vergangene Quartal Gebühren für die Öffentlich-Rechtlichen wert.

Opera 10.5: Der zweite Eindruck

Seit ich meinen ersten Eindruck zur aktuellen Version 10.5 des Opera Browsers geschildert habe, ist einige Zeit ins Land gegangen, nun also ein paar aktualisierte Eindrücke. Insgesamt hat mein Lieblingsbrowser meiner Meinung nach klare Rückschritte gemacht. Alles nur Kleinkram, aber davon viel zu viel:

  • Auto-Vervollständigung in der Adresszeile: Glaubt Opera, meine teilweise eingetippte Adresszeile in voller Länge zu erraten, wird der vorgeschlagene Rest direkt hinter dem Cursor eingefügt und dabei markiert, sodass man zumindest die Markierung durch Eingabe weiterer Zeichen überschreiben kann.
    Das kann dazu führen, dass ich mit der Enter-Taste die gerade auto-vervollständigte Adresszeile bestätige und nicht diejenige, die ich eingetippt habe. Hat was von den schlechten, alten Netscape 4 Zeiten.
  • Vorschläge unter der Adresszeile: Wie schon angemeckert ist Vorschlag Nummer 1 (fast) immer eine Google-Suche nach dem, was gerade in der Adresszeile steht, erst darunter wird die History durchsucht. Was ‘n Quatsch. Es gibt mehrere einfache und schnelle Wege, eine Google-Suche durchzuführen, an dieser Stelle möchte ich ohne Umschweife zu History-Treffer Nummer 1. Trotz all der Konfigurierbarkeit habe ich aber keinen Weg gefunden, das Verhalten der Vorgängerversionen wiederherzustellen.
Adresszeile und History-Vorschläge in Opera 10.5

Eingetippt ist "tr", der Rest in der Adresszeile wird von Opera vorgeschlagen. Direkt darunter kommt erstmal "Search the Web for tr"

Nun kann man argumentieren, dass die Behandlung der History nicht so wichtig ist, schließlich gibt es ja auch Favoriten und Speed Dial, um zum Ziel zu kommen. Das trifft wohl auch auf die meisten anderen Benutzer zu, aber ich neige dazu, einen Großteil der vielbesuchten Seiten direkt über die Adresszeile aufzurufen, und dabei nerven mich diese Kleinigkeiten massiv – weil es für meinen Geschmack ein Rückschritt ist, denn bis Opera 10.10 war damit alles in Ordnung, es gab keine Autovervollständigung und Treffer 1 stammte schon direkt aus der History.

Das war aber nicht Alles. Die Suchfunktion (STRG+f) öffnet nun kein eigenes Fenster mehr – soweit, so gut. Anders als in Firefox klappt die unscheinbare Suchleiste nicht unten auf, sondern oben. Geschenkt.
Bei einer Suche wird aber nun die komplette Seite mit einer teil-transparenten Ebene abgedunkelt. Sobald man irgendwo auf die Webseite klickt, verschwindet die Abdunkelung – wozu ist die dann überhaupt gut?
Außerdem: Auch die dezente Suchleiste verschwindet gleich wieder, genauso wie das Hiliting der gefundenen Treffer. Auch beim Weitersuchen mit F3 taucht die Suchleiste nicht wieder auf, erst ein erneutes Suchen mittels STRG+f bringt sie zurück. So ein Unsinn. Da hätte man sich sinnvoller Weise an Firefox orientieren sollen, wo die Suchleiste geöffnet bleibt, bis man sie schließt oder weg-escaped. Insgesamt eine Veränderung ohne Fortschritt und ohne Zugewinn an Usability.

In der Zwischenzeit war ich so genervt, dass ich aus dem Archiv den Vorgänger rausgekramt habe – der aber dann natürlich regelmäßig meckerte, ich möge doch bitte die viel bessere und neuere und schnellere und sicherere Version 10.5 installieren. In der ebenfalls vorhandenen 10.5 Installation führte dann ein Update dazu, dass stattdessen die wunderbare 10.10-Installation aktualisiert wurde. Herzlichen Dank…

An die neue, eher Windows-typische Gestaltung der meisten Dialoge habe ich mich halbwegs gewöhnt. Ich nehme an, die Entwickler haben damit weniger Aufwand. Die Opera-eigene Gestaltung bis 10.10 gefiel mir besser, aber diese Änderung stört mich noch mit am Wenigsten.

Beim Wechsel zwischen Tabs werden kleine Thumbnails der zugehörigen Seiten angezeigt. Überflüssig, störend. Lässt sich weitestgehend wegkonfigurieren, sollte aber meiner Meinung nach standardmäßig deaktiviert sein.

Alles in allem ist 10.5 für mich ein klarer Rückschritt, da können sie die JavaScript-Engine noch so performant machen. Noch halte ich Opera trotzdem für den besten Browser und werde ihn nicht gegen Firefox oder einen anderen eintauschen. Ich hoffe nur, dass es mit den Folgeversionen nicht weiter in die falsche Richtung geht, nachdem Opera über lange Jahre hinweg eher ein Garant für Innovation und Fortschritt war. Bei der starken und immer stärker werdenden Konkurrenz darf man gespannt sein, wie es weitergeht.

Randominöser Klickstreckenersatz

Mit seinen zweifelhaften Qualitäten entwickelt sich der Webauftritt der Süddeutschen zu einem meiner Lieblingsziele. Seit kurzem nämlich entdecke ich dort immer wieder Verlinkungen, die keinen Sinn ergeben: irgendwelche Nomen sind in den Artikeln mit einem scheinbar zufälligen Link versehen, der dann zu einer Übersicht ähnlicher Beiträge führt. Aktuell bin ich in diesem Artikel drüber gestolpert: Die Justiz und die kleinen Leute (übrigens ansonsten sehr lesenswert; gefunden via lawblog). Insgesamt sind dort die folgenden Begriffe mit solchen Links versehen:

  • Höhe
  • Euro
  • Arbeitsrecht
  • Kündigung
  • Milch
  • Beamte(n)
  • Richter
  • Emmely

Dagegen sind ja sogar die hirnverbrannten und nicht gerade sachdienlichen Bilder-Klickstrecken noch sinnvoll – auf die man aber natürlich auch im genannten Artikel nicht verzichten muss…